Landesinformationen

 
1 EINLEITUNG

Griechenland, amtliche Vollform: Griechische Republik (neugriechisch Ellinikí Dimokratía); Land in Südosteuropa, das aus dem südlichsten Teil der Balkanhalbinsel und zahlreichen Inseln besteht.

Griechenland grenzt im Nordwesten an Albanien, im Norden an die Ehemalige Jugoslawische Republik Makedonien und an Bulgarien, im Nordosten an die Türkei, im Osten an das Ägäische Meer, im Süden an das Mittelmeer und im Westen an das Ionische Meer. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 131 957 Quadratkilometer; davon entfällt ein Fünftel auf die Inseln im Ägäischen und Ionischen Meer. Athen ist die Hauptstadt und zugleich die größte Stadt des Landes.

2 LAND

Griechenland erstreckt sich von Norden nach Süden über rund 750 Kilometer, von Westen nach Osten über etwa 900 Kilometer (jeweils mit Inseln). Der Festlandsanteil Griechenlands besteht im Norden aus den Gebieten Thrakien und Makedonien, im Zentrum aus Epirus, Thessalien und Mittelgriechenland und im Süden aus der Peloponnes, einer Halbinsel, die mit dem übrigen Festland durch die Landbrücke von Korinth verbunden ist. Der 1893 fertig gestellte Kanal von Korinth durchschneidet die Landbrücke von Korinth und macht die Peloponnes – streng genommen – zu einer Insel. Das übrige Griechenland besteht aus einer Vielzahl von Inseln, darunter Euböa (Ewwia), Kreta, die Nördlichen Sporaden, die Kykladen, Dodekanes und die Ionischen Inseln sowie Ikaria, Chios, Limnos, Lesbos, Samos, Samothraki und Thasos. Die Küstengewässer Griechenlands sind seicht, und die Buchten ziehen sich oft weit bis in das Landesinnere hinein. Der Golf von Korinth und der Saronische Golf, zwischen denen die Landbrücke von Korinth liegt, trennen die Peloponnes von Mittelgriechenland.

2.1 Physische Geographie

Die gesamte Küstenlänge des Landes beläuft sich auf etwa 13 680 Kilometer. Ein wichtiges geographisches Element der griechischen Landschaft ist das Meer. Kein Ort des Festlandes liegt mehr als 150 Kilometer von der Küste entfernt. Darüber hinaus wird das Land von Gebirgen geprägt. Sie nehmen den größten Teil Griechenlands ein und werden durch zahlreiche Täler voneinander getrennt. Die Topographie ist sehr abwechslungsreich. Griechenland gliedert sich in mehrere Landschaftsräume; das zentrale Faltengebirge, die gebirgige Gegend im Westen, die Ebenen und niedrigeren Bergketten von Thessalien, Makedonien und Thrakien im Osten, die Halbinsel Attika im Südosten, die Peloponnes und die griechischen Inseln, von denen sich die allermeisten im Ägäischen Meer befinden.

Der sich von Norden nach Süden erstreckende Gebirgszug des Pindos ist eines der unwegsamsten und am dünnsten besiedelten Gebiete des Landes. Der Pindos ist geologisch eine Fortsetzung des Dinarischen Gebirges und trennt Thessalien im Osten von Epirus im Westen. Das durch tiefe Schluchten gegliederte Gebirge erreicht eine Höhe bis zu 2 480 Metern und bildet die Wasserscheide zwischen Ionischem und Ägäischem Meer. Das Gebirgssystem setzt sich im Süden auf der Peloponnes fort. Die Peloponnes ist gebirgig, jedoch nicht im gleichen Maß wie Mittelgriechenland. Vorherrschend sind die nur schwer passierbaren Bergzüge Arkadiens, die stellenweise bis an die Küste reichen und sich fingerförmig in das Meer erstrecken. Zwischen den Bergketten liegen enge, nicht miteinander verbundene Täler, die jedoch bis zur Küste reichen können. Der westliche Teil der Peloponnes ist etwas flacher als der östliche. Die gebirgige Landschaft der größten Halbinsel Griechenlands setzt sich in einem weiten Bogen über Kreta und die Südlichen Sporaden bis ins türkische Festland fort.

Der Nordosten und Osten des Landes sind durch den Wechsel von Hochgebirgen und Becken stark gegliedert. Der Olymp ist mit 2 917 Metern die höchste Erhebung Griechenlands und wurde in der Antike als Sitz der Götter betrachtet. Thrakien weist eine abwechslungsreiche Topographie auf. Die Region wird von den südlichen Ausläufern der Rhodopen erreicht, zwischen denen breite Flusstäler verlaufen. Landschaftlich besonders markant ist im Norden des Landes die Halbinsel Chalkidike; diese wird ebenfalls von weiten Ebenen eingenommen. Im Südosten der Halbinsel erhebt sich auf der Landzunge Agion Oros der 2 032 Meter hohe Berg Athos. Die Küstengebirge von Thessalien, einer von Bergen umschlossenen, überaus fruchtbaren Ebene im östlichen Mittelgriechenland, setzen sich in den Nördlichen Sporaden fort.

Der äußerste Südosten Mittelgriechenlands, bekannt unter dem Namen Attika, ist durch Bergketten in eine Vielzahl voneinander isolierter Täler und Ebenen gegliedert und umfasst auch die Ebene von Athen. Ähnlich gestaltet ist die Landschaft auf der Attika vorgelagerten Insel Euböa. Attika und Euböa setzen sich geologisch in den Kykladen fort. Die Inseln im Ägäischen Meer gehören mit Ausnahme von wenigen türkischen Inseln zu Griechenland. Im Allgemeinen zerklüftet, steinig und trocken, sind sie jedoch aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit und ihrer Rolle in der Geschichte attraktiv für den Tourismus. Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft des Landes, außerdem sind sie durch ihre strategische Lage von Bedeutung. Mit 297 Kilometern ist der Aliakmon längster Fluss des Landes; er fließt im Norden und mündet in das Ägäische Meer. Größter See in Griechenland ist mit einer Fläche von 81 Quadratkilometern der Limni Vegorritis. Die Böden Griechenlands sind in weiten Teilen des Landes von geringer Mächtigkeit und überaus steinig. Das Land ist durchsetzt von kleinen Tälern, in denen die Böden aus der fruchtbaren Terra rossa („rote Erde”) des Mittelmeergebiets bestehen. In vielen Gebieten sind die Böden aufgrund geringer Niederschläge ausgesprochen trocken.

2.2 Klima

Der mediterrane Charakter des Klimas wird durch die Höhenlage sowie durch – im Norden – kontinentale Einflüsse überprägt. In den tieferen Lagen sind die Sommer heiß und trocken, die Winter sind feucht und regnerisch. In den höheren Lagen im Gebirge ist es wesentlich kühler; dort fallen auch in den Sommermonaten hohe Niederschläge. In den tieferen Lagen sind Frost und Schnee selten; die Berge sind im Winter schneebedeckt. Im Sommer wird Griechenland oft von nördlichen Winden (Etesien) erreicht. Auf Kreta und anderen südlich gelegenen Inseln weht bei bestimmten Wetterlagen aus Süden der warme Schirokko. Die mittlere Jahrestemperatur liegt in Athen bei 17 °C; das Monatsmittel beträgt im Januar 9 °C und im Juli 28 °C.

Die Niederschlagsmengen sind in den einzelnen Regionen unterschiedlich hoch. Die westlichen Gebiete sind wesentlich feuchter als die im Lee der niederschlagsbringenden Winde liegenden östlichen Regionen. Auf der ionischen Insel Korfu werden im Jahr bis zu 1 300 Millimeter erreicht. Damit gehört Korfu zu den feuchtesten Gebieten des Landes. In Athen ist es demgegenüber mit etwa 400 Millimetern relativ trocken. Auf den Ägäischen Inseln betragen die Jahresniederschläge zwischen 400 und 700 Millimeter. Thessalien im östlichen Mittelgriechenland kann durch ausgeprägte Trockenheit gekennzeichnet sein. Hier wurden schon Jahreswerte von 40 Millimetern unterschritten.

2.3 Flora und Fauna

Die in der Antike stark bewaldeten Gebiete wurden weitgehend gerodet. Aufgrund der daraufhin erfolgten Bodenerosion und dem damit verbundenen Verlust an Nährstoffen gestalten sich Versuche zur Wiederaufforstung sehr schwierig. Darüber hinaus erschweren Waldbrände die Entwicklung dichter Baumbestände. Weite Teile Griechenlands werden von zum Teil hohen Gebirgen eingenommen. Daraus ergibt sich eine Gliederung der Vegetation in mehrere Höhenstufen.

In den tieferen Lagen des Landesinneren und an der Küste gedeiht in Höhen bis etwa 700 Meter mediterrane Vegetation. Zu den verbreiteten Vegetationstypen gehören sommergrüne und immergrüne Wälder mit Eichen, Schwarzkiefern, Kastanien, Buchen, Lorbeergewächsen und Sumach; charakteristische Blütenpflanzen sind Tulpen und Hyazinthen. In der anschließenden Region der Gebirgswälder herrschen sommergrüne Laubmischwälder vor, deren Anteil an Nadelbäumen mit zunehmender Höhe ansteigt. Auch Blütenpflanzen wie Anemonen und Alpenveilchen gedeihen hier. Die Gebiete oberhalb der Waldgrenze werden von alpinen Matten eingenommen. Neben verschiedenen Kräutern finden hier auch Moose und Flechten Lebensraum.

In den Bergregionen gibt es noch die Großraubtiere Braunbär, Wolf, Luchs und Goldschakal, andere bemerkenswerte Raubtiere sind Wildkatze, Fischotter und der im Nordosten des Landes vorkommende Tigeriltis; im Mittelmeer lebt die stark gefährdete Mönchsrobbe. Auf den griechischen Inseln (und ausgesetzt auf dem Festland) leben die den Steinböcken ähnlichen Bezoarziegen; weitere Paarhufer sind Gämsen, Rothirsche, Rehe und Wildschweine.

Zur reichen Avifauna (Vogelwelt) gehören u. a. vier Geierarten (Bart-, Schmutz-, Mönchs- und Gänsegeier), acht Adlerarten (u. a. Stein-, Kaiser-, Habichts- und Schlangenadler), Pelikane, Sichler, Löffler, sechs Reiherarten (u. a. Nacht-, Purpur-, Seiden- und Silberreiher) sowie Bienenfresser, Wiedehopf und Blauracke. Die Reptilienfauna besteht aus Eidechsen (u. a. Smaragdeidechse), Geckos, Schlangen (Nattern, Vipern, Blindschlangen), Agamen, Chamäleons (auf Kreta), Skinken (Glattechsen), Schleichen und Schildkröten (Land-, Sumpf- und Meeresschildkröten).

3 BEVÖLKERUNG

Griechenland hat etwa 10,65 Millionen Einwohner (2002). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 81 Einwohnern pro Quadratkilometer. Sowohl die Geburtenziffer (früher eine der höchsten Europas) als auch die Sterberate gingen in den letzten Jahren zurück. Mittlerweile liegt die jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung bei etwa 0,2 Prozent (2002). Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit 78,7 Jahren sehr hoch. Ein Großteil der Stadtbewohner lebt in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki. Zu den Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte zählen außerdem die fruchtbaren Küsten- und Beckenlandschaften. Korfu (Kerkyra), Zakynthos und Chios sind die am dichtesten besiedelten Inseln. Demgegenüber sind weite Teile des Landesinneren ausgesprochen dünn besiedelt. Anhaltende Landflucht führte zu starker Abnahme der Bevölkerung in Bergregionen.

Die Bevölkerung des Landes besteht zu rund 98 Prozent aus Griechen; zu den stärksten ethnischen Minderheiten gehören Makedonier, Türken, Albaner und Armenier. Etwa drei Millionen Griechen leben im Ausland. In den neunziger Jahren war die Zahl der Auswanderer rückläufig, während die Rückwanderung nach Griechenland zunahm.

3.1 Wichtige Städte

Rund 60 Prozent der Bevölkerung wohnen in Städten. Die größte Stadt Griechenlands ist die Hauptstadt Athen mit etwa 3,10 Millionen Einwohnern in der Agglomeration. Piräus (183 000 Einwohner), der Hafen Athens, ist die größte Hafenstadt Griechenlands. Thessaloniki (384 000 Einwohner) ist ein bedeutendes Zentrum der Textilindustrie. Patras (153 000 Einwohner) im nördlichen Teil der Peloponnes ist ein wichtiger Meereshafen am Golf von Patras. Weitere größere Städte sind Iraklion auf Kreta (116 000 Einwohner) und Larisa (113 000 Einwohner).

Weißer Turm in Thessaloniki

Der Weiße Turm ist das einzige Überbleibsel einer Festungsanlage, die die osmanischen Türken um Thessaloniki herum gebaut hatten.

 

3.2 Sprache

Der Großteil der Bewohner Griechenlands spricht Neugriechisch, wobei zwischen der Demotike als gesprochene Umgangssprache und der Katharevussa als Schriftsprache unterschieden werden muss. Die Demotike wurde durch den Parlamentsbeschluss von 1976 als Amtssprache Griechenlands anerkannt. Sie wird von der Regierung und den Zeitungen verwendet und dient darüber hinaus als Wissenschaftssprache. Englisch und Französisch sind die am weitesten verbreiteten Fremdsprachen.

3.3 Religion

Rund 97 Prozent der Bewohner gehören der griechisch-orthodoxen Kirche an. Die übrigen 3 Prozent sind Muslime (vorwiegend Türken), Katholiken, Protestanten und Juden.

Gesetzliche Feiertage sind Neujahr (1. Januar), der 6. Januar, der erste Tag der Fastenzeit, der Unabhängigkeitstag (25. März), Ostern (Karfreitag bis Ostermontag), der Tag der Arbeit (1. Mai), Pfingstsonntag, Pfingstmontag, Mariä Himmelfahrt (15. August), der Ochi-Tag (28. Oktober; zum Gedenken an den Tag, an dem der damalige Ministerpräsident Joannis Metaxas „Nein” Ochi zu Hitler sagte und Griechenland an der Seite der Alliierten in den 2. Weltkrieg eintrat), Weihnachten (25. Dezember und der 26. Dezember). Die meisten Orte veranstalten zu Ehren ihres Schutzheiligen ein Fest.

3.4 Soziales

Der Lebensstandard ist im Vergleich zu anderen EU-Staaten relativ niedrig. Während die Zahl der praktizierenden Ärzte in den Großstädten ausreicht, ist die medizinische Versorgung in ländlichen Gegenden, vor allem in den gebirgigen Regionen, nur bedingt gewährleistet.

4 BILDUNG UND KULTUR

Der Schulbesuch ist in Griechenland unentgeltlich. Es besteht Schulpflicht für die Dauer von 9 Jahren. 1928 waren rund 60 Prozent der Bevölkerung alphabetisiert. Mittlerweile ist der Alphabetisierungsgrad auf 99,8 Prozent angestiegen (2001). In allen Dörfern und Städten gibt es Grundschulen, in vielen auch Oberschulen. Das Hochschulwesen Griechenlands umfasst neun Universitäten: die Kapodistrias-Universität Athen (1837), die Aristotelische Universität Thessaloniki (1925), die Technische Universität Athen (1836), die Demokritos-Universität von Thrakien (1973), die Universität Ioannina (1964), die Universität Patras (1964), die Universität Kreta (1973), die Technische Universität Kreta (1977) und die Universität der Ägäis (1984) mit Außenstellen in Athen, Chios, Mytilini, Rhodos und Samos. Daneben bestehen noch weitere Einrichtungen für höhere Bildung: die American School of Classical Studies (1881), die Handelshochschule (1920), die Kunstakademie (1836), die britische Schule (1886) und die französische Schule (1846) befinden sich alle in Athen, ferner die Industriefachhochschule in Thessaloniki (1957).

4.1 Kultur

Die Kultur des antiken Griechenlands übte großen Einfluss auf die Entwicklung der westlichen Zivilisation aus. Weitere Angaben zur griechischen Kultur sind unter folgenden Stichwörtern nachzulesen: Drama; griechische Kunst und Architektur; griechische Literatur; griechische Musik; griechische Philosophie; griechische Mythologie; Olympische Spiele.

4.2 Kultureinrichtungen

Viele bedeutende Museen sind den griechischen Altertümern und der Archäologie gewidmet. Dazu gehören das Archäologische Nationalmuseum, das Byzantinische Museum und das Akropolis-Museum, die sich alle in Athen befinden. Das Archäologische Museum in Olympia beherbergt die weltweit größte Sammlung von Bronzeplastiken aus der geometrischen Zeit und der Archaik. Das Archäologische Museum in Iraklion auf Kreta zeigt eine außergewöhnliche Sammlung minoischer und frühgriechischer Funde. Bekannte Athener Museen, die mehr neuzeitliche Kunst ausstellen, sind die Staatliche Kunstgalerie, das Alexander-Soutzos-Museum und das Benaki-Museum. Die Staatsbibliothek Griechenlands, ebenfalls in Athen, verfügt über rund zwei Millionen Bände.

4.3 Medien

Die Rundfunk- und Fernsehstationen Griechenlands sind sowohl in privater als auch in öffentlicher Hand. Der Großteil der führenden griechischen Tageszeitungen wird in Athen oder Thessaloniki verlegt. Sie decken das gesamte politische Spektrum ab. Zu den Tageszeitungen mit hohen Auflagenzahlen gehören Apogevmatini, Eleftherotypia und Ta Nea, die alle in Athen herausgegeben werden.

5 VERWALTUNG UND POLITIK

Im September 1968 billigte die griechische Wählerschaft eine neue, von der herrschenden Militärjunta entworfene Verfassung. Sie enthielt weiterhin die erbrechtliche Monarchie und erklärte Griechenland zu einer „Kron-Demokratie”; jedoch wurden dem König viele seiner früheren Vollmachten, die ihm durch die Verfassung von 1952 übertragen worden waren, entzogen. Am 1. Juni 1973 schaffte der Ministerrat die Monarchie ab und rief die Republik aus. Im Juli 1974 trat die Militärjunta zurück, und in Griechenland wurde wieder ein parlamentarisch-demokratisches System eingeführt. Im Dezember 1974 lehnten die griechischen Wähler in einer Volksabstimmung die Wiedereinrichtung der Monarchie ab. Am 11. Juni 1975 trat eine neue republikanische Verfassung in Kraft. Die letzten Verfassungsänderungen wurden 1986 eingearbeitet.

5.1 Exekutive

Nach der Verfassung von 1975 ist der Präsident Griechenlands Staatsoberhaupt und zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird vom Parlament für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt, ernennt den Ministerpräsidenten aus den Reihen der Mehrheitspartei bzw. der stärksten Parlamentsfraktion und muss das vom Ministerpräsidenten gewählte Kabinett akzeptieren. Unter besonderen Umständen kann der Präsident den Ministerpräsidenten entlassen und das Kabinett auflösen; hierzu muss er den Rat der Republik, ein beratendes Gremium bestehend aus amtierenden und ehemaligen hohen Politikern, einberufen. Der Präsident kann zudem sein Veto bei der Verabschiedung von Gesetzen einlegen, die Sitzungsperiode des Parlaments für höchstens 30 Tage unterbrechen sowie das Parlament auflösen und Neuwahlen ansetzen. Das Staatsoberhaupt darf einmal wieder gewählt werden.

5.2 Legislative

Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung, dem Einkammerparlament mit 300 Mitgliedern (288 davon werden direkt gewählt, zwölf von den Parteien gestellt). Die Abgeordneten werden nach dem Verhältniswahlrecht für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt.

5.3 Judikative

Gewöhnliche zivilrechtliche und strafrechtliche Fälle werden an Gerichtshöfen erster Instanz verhandelt. Gegen deren Urteile kann Berufung bei den Appellationsgerichten und schließlich Revision beim Obersten Gerichtshof, der höchsten juristischen Instanz, eingelegt werden. Das Oberste Tribunal ist letzte Entscheidungsinstanz in Verfassungsfragen. Alle Richter werden auf Lebenszeit ernannt.

5.4 Kommunalverwaltung

Seit der Verwaltungsreform von 1987 ist Griechenland verwaltungsmäßig in zehn Regionen (Diamerismata) untergliedert, die ihrerseits in Verwaltungsbezirke (Nomoi) unterteilt sind. Die zehn Regionen sind Ägäische Inseln, Kreta, Epirus, Mittelgriechenland und Euböa, Ionische Inseln, Thrakien, Makedonien, Peloponnes, Thessalien und Groß-Athen. Nach der Verfassung von 1975 hat die Region Athos (336 Quadratkilometer, etwa 1 600 Einwohner) einen autonomen Status. Größere Städte oder Demes mit über 100 000 Einwohnern werden von einem Bürgermeister und einem Stadtrat, kleinere Gemeinden von einem Präsidenten und einem Gemeinderat verwaltet.

5.5 Politische Parteien

Die griechische Verfassung von 1975 garantiert das Recht „auf die Freiheit zur Gründung politischer Parteien sowie zur Teilnahme an der Arbeit politischer Parteien”. Die wichtigsten Parteien sind die Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK), die Neue Demokratie (ND), die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), die Koalition der Linken und des Fortschritts (SYN) und die Demokratische Soziale Bewegung (DIKKI).

5.6 Verteidigung

Es besteht eine zweijährige Wehrpflicht. Das griechische Heer umfasst etwa 110 000, die Marine rund 19 000 und die Luftwaffe circa 30 170 Soldaten (2001). Griechenland ist Mitglied der NATO.

6 WIRTSCHAFT

Griechenland wurde 1981 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft (jetzt Europäische Union). Der Agrarsektor, lange Zeit ein wichtiger Faktor, ist heute durch die Industrie und die Dienstleistungsbranche von seiner zentralen Position verdrängt worden. Eine bedeutende Rolle kommt dem Fremdenverkehr zu. Ebenfalls wichtige Einnahmequellen für die griechische Wirtschaft bilden die Küsten- und die Überseeschifffahrt.

Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 112 646 Millionen US-Dollar (2000). Davon wurden 62 Prozent im Dienstleistungssektor, 24 Prozent in der Industrie und 14 Prozent in der Landwirtschaft erzielt.

Wesentliche Probleme der griechischen Wirtschaft sind die hohe Staatsverschuldung und im Vergleich zu anderen Staaten hohe Inflationsraten (1996: 8,2 Prozent; 1997: 5,4 Prozent; 1998: 4,5 Prozent). Versuche, durch eine konsequente Sparpolitik und Privatisierungsmaßnahmen die Volkswirtschaft zu sanieren, zeigten bisher noch nicht die gewünschten Erfolge.

6.1 Landwirtschaft

Rund 20 Prozent aller griechischen Erwerbstätigen arbeitet in der Landwirtschaft, deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt 14 Prozent beträgt. Aber die Produktivität steht in keinem Verhältnis zu der großen Belastung, die der landwirtschaftliche Sektor für die Wirtschaft darstellt. Die Betriebe sind klein, die erbschaftliche Aufteilung der Höfe reduzierte sie auf eine durchschnittliche Größe von etwa 3,4 Hektar, was den wirksamen Einsatz von Maschinen erschwert. Dazu werden aufgrund von Trockenheit und fortgeschrittener Bodenerosion häufig nur geringe Erträge erzielt. Wegen des in weiten Teilen gebirgigen Charakters des Landes sind die Voraussetzungen für eine agrarische Nutzung relativ ungünstig. Etwa 21,4 Prozent der Landesfläche werden ackerbaulich genutzt (1999). Tabak zählt zu den Hauptanbauprodukten und trägt rund drei Prozent zu den jährlichen Exporterlösen des Landes bei. Darüber hinaus bedeutend ist der Anbau von Weizen, Gerste, Tomaten, Orangen, Mais, Zuckerrüben, Weintrauben, Oliven, Kartoffeln und Baumwolle. Wichtigste Anbaugebiete sind die fruchtbaren Ebenen in Makedonien, Thrakien und Thessalien sowie die Küstenregionen des Festlandes und einige Inseln. Die gebirgigen Regionen werden überwiegend zur Tierhaltung genutzt. Dabei dominiert die Zucht von Schafen, gefolgt von Ziegen, Rindern, Geflügel und Schweinen.

6.2 Forstwirtschaft und Fischerei

Rund zwei Drittel des Waldes in Griechenland befinden sich in staatlichem Besitz. Die Regierung leitete Aufforstungsmaßnahmen des während des 2. Weltkrieges zerstörten Baumbestands ein. Die forstwirtschaftliche Nutzung der Wälder ist nur bedingt rentabel, da der Zustand der Wälder aufgrund von Bodenerosion und Waldbränden relativ schlecht ist. Ein weiterer Aspekt bei der Nutzung von Wäldern ist die Gewinnung von Harz, das für die Produktion von Retsina (Weißwein) benötigt wird. Die Fischerei ist nur von geringer Bedeutung. Die Fischerträge (überwiegend Sardellen, Sardinen und Thunfische) werden zumeist innerhalb Griechenlands konsumiert. Schwämme sind das führende Exportprodukt der Fischereiwirtschaft. Die Fischbestände im Mittelmeer wurden während der vergangenen Jahrzehnte stark dezimiert. Hauptgründe dafür sind Überfischung und Verschmutzung des Meerwassers.

6.3 Bergbau

Bodenschätze, die in abbauwürdigen Mengen gefördert werden, sind neben Braunkohle vor allem Bauxit und Magnesit (Magnesiumcarbonat). Die Lagerstätten anderer wirtschaftlich bedeutender Rohstoffe wie Chrom, Mangan, Nickel, Blei und Marmor sind dagegen relativ klein. Griechenland verfügt über Erdöl- und Erdgasvorkommen; die Felder liegen untermeerisch in der Ägäis bei der Insel Thasos. Mit der Förderung wurde allerdings erst 1981 begonnen, nachdem der in der betreffenden Region strittige Grenzverlauf mit der Türkei geklärt worden war.

6.4 Energie

Rund 40 Prozent seines gesamten Energiebedarfs deckt Griechenland aus eigenen Quellen – vor allem Braunkohle. 89,6 Prozent des Gesamtbedarfs an elektrischer Energie (1999) erzeugen Wärmekraftwerke durch die Verbrennung von Braunkohle, Erdöl oder Erdgas. 9,7 Prozent des Stromes liefern Wasserkraftwerke (u. a. am Fluss Acheloos). Griechenland strebt eine noch intensivere Nutzung der eigenen Energieressourcen an, um noch weniger von Erdölimporten abhängig zu sein.

6.5 Industrie

Rund 23 Prozent aller Erwerbstätigen sind in der Industrie beschäftigt. In diesem Wirtschaftssegment werden gut 24 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Wichtige Industriezweige sind neben der Lebensmittel- und Textilindustrie, die Metallindustrie, chemische und Erdöl verarbeitende Industrie sowie der Schiffbau. Wichtige Industriestandorte konzentrieren sich z. B. auf die Ballungsgebiete um Athen, Thessaloniki und Patras.

6.6 Währung

Währungseinheit Griechenlands ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents, der die Drachme ( = 100 Lepta) als offizielle Währung ablöste. Griechenland konnte noch nicht an der Europäischen Währungsunion zum 1. Januar 1999 teilnehmen, da es zu dem Zeitpunkt keines der erforderlichen Konvergenzkriterien erfüllte. Im Mai 2000 stimmte das Europäische Parlament für einen Beitritt Griechenlands zur Europäischen Währungsunion zum 1. Januar 2001.

6.7 Außenhandel

Griechenlands jährliche Importkosten sind im Allgemeinen höher als die Exporterlöse. Dieses Defizit wird zum Teil durch die Einnahmen aus dem Tourismus und den Überweisungen griechischer Arbeitnehmer im Ausland ausgeglichen. Die griechische Wirtschaft hängt auch in hohem Maß von ausländischen Krediten und Investitionen ab, um die Lücke zwischen den Ausfuhrgewinnen und Einfuhraufwendungen schließen zu können. Eingeführt werden in erster Linie Konsumgüter, Maschinen und Fahrzeuge, Erdöl und Erdölprodukte, Nahrungsmittel und chemische Erzeugnisse sowie Rohstoffe für die Industrie. Wichtige Exportgüter sind u. a. Obst und Gemüse, Oliven und Olivenöl, Bekleidung, Textilien, Felle, Getränke (vor allem Wein), Tabak, Erdölprodukte, nichteisenhaltige Metalle, Eisen und Stahl. Haupthandelspartner sind neben Deutschland, Italien und Japan die Vereinigten Staaten, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien.

6.8 Gewerkschaften

Die Gewerkschaften sind in Lokalverbänden nach unterschiedlichen Berufsgruppen organisiert. In jeder Stadt oder industrialisierten Gegend gibt es ein Gewerkschaftszentrum, dem die einzelnen Lokalverbände angehören, und alle Mitglieder einer gleichen Fachgewerkschaft gehören nationalen Verbänden an. Die meisten Gewerkschaftszentren und Verbände stehen unter der Schirmherrschaft der Konföderation der Griechischen Arbeiter.

6.9 Verkehr

Das Straßennetz Griechenlands hat eine Länge von 117 000 Kilometern (1999), das Schienennetz eine Länge von 2 299 Kilometern (1999). Besondere wirtschaftliche Bedeutung kommt der Schifffahrt zu; dies gilt sowohl für die Küsten- als auch für die Überseeschifffahrt. Die griechische Handelsflotte gehört zu den größten der Welt. Bedeutende Häfen sind beispielsweise Piräus, der Hafen Athens, Thessaloniki und Volos. Der Kanal von Korinth stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem Golf von Korinth und dem Saronischen Golf dar.

Die staatliche Fluggesellschaft (Olympic Airways) bietet einen internationalen und einen nationalen Flugdienst. Internationale Flughäfen befinden sich in Athen (Hellinikon), Thessaloniki, Heraklion, Korfu und Rhodos.

6.10 Tourismus

Der Fremdenverkehr stellt für Griechenlands Wirtschaft eine bedeutende Einnahmequelle dar. Mittlerweile kommen jährlich mehr als elf Millionen Touristen nach Griechenland. Hauptziele sind Athen, die gesamte Inselwelt im Ägäischen und Ionischen Meer sowie die antiken Stätten auf der Peloponnes.